Protokoll des Kulturgesprächs vom 4.12.2019

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    Axel Schneider
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    „Kultur im Fluss“ – Zwischenbilanz der Kulturstrategie 2030
    Termin: 04. Dezember 2019 – 15 bis 19 Uhr – Gesellschaftshaus Magdeburg – 58 Teilnehmende

    Phase 1
    Beate Kramer (Fachdienstleiterin des Kulturbüros der Landeshauptstadt Magdeburg) eröffnet die Veranstaltung und stellt den Ablauf und Zeitplan vor.
    Prof. Dr. Matthias Puhle (Beigeordneter für Kultur, Schule und Sport der Landeshauptstadt Magdeburg) begrüßt die Anwesenden und ruft zum Dialog auf. In seinen Ausführungen stellt er die Verknüpfung des Prozesses der Kulturstrategie 2030 zur Kulturcharta 2020 und zur Kulturhauptstadtbewerbung 2025 dar.
    Dr. Cornelia Dümcke (Culture Concepts Berlin) gibt in Form einer Power-Point-Präsentation einen Input, den sie in vier Abschnitte gliedert
    • Kultur und Nachhaltigkeit
    • Warum Kulturstrategien
    • Widersprüche aushalten
    • Erfahrungen konkret
    Der Zusammenhang von Kultur und Nachhaltigkeit ist ein zentraler Ansatz, um Kulturstrategien zu entwickeln. Die Meilensteine in der Vergangenheit sind der Brundtland-Bericht („Our common future, 1987) und John Hawkes („The fourth pillar of sustainability“ 2001, Link: https://www.researchgate.net/publication/200029531_The_Fourth_Pillar_of_Sustainability_Culture’s_essential_role_in_public_planning)
    Der Zusammenhalt von Kultur und Nachhaltigkeit ist für Cornelia Dümcke ein zentraler Ansatz um Kulturstrategien zu entwickeln:

    Die zweite Fragestellung: „Warum müssen sich immer wieder neu verständigen zu ihren Zielen und kulturellen Entwicklungsperspektiven?“ Die Referentin zitiert sich dazu selbst: „Das Versprechen der Globalisierung war Vielfalt; ihr Ergebnis ist die Gefährdung von Vielfalt!“ (ITI Report 2017).
    Wichtiges Element dazu ist das „3-Sektoren-Modell“

    Als dritten Punkt regt die Referentin an, Widersprüche auszuhalten. Sie verweist dabei auf die Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen (UNESCO 2005) und Studien zur sozialen Lage von Kunstschaffenden und Kulturvermittlern.
    Was sollte jede erneuerte städtische Kulturpolitik tun?
    „Aus meiner Sicht sollte sie sich konzentrieren auf:
    die Wurzeln ihrer Geschichte & Tradition & sowie die heutigen Impulse & Akteure zur Erneuerung
    • den sogenannten ‚human factor‘ in der Stadt (siehe EU 2019, The Human City)
    • die komplexen Fragen der Ressourcenallokation & der Märkte
    • die Bildungsinstitutionen und Ausbildungssysteme
    • das „Öko-System“ der städtischen Kultur & die darauf bezogene ‚governance‘
    • die internationale Kooperation & Zusammenarbeit – möglichst auf gleicher Augenhöhe“
    Zum Abschluss führte Cornelia Dümcke ihre Erfahrungen aus und empfahl Kooperation („Einbindungen“) der Akteure. „ Offensichtlich geht es in Entwicklungsprozessen zu einer KULTURSTRATEGIE auf kommunaler Ebene darum, die kulturelle Dimension unterschiedlicher sozialer, wirtschaftlicher und räumlicher Prozesse zueinander in Beziehung zu setzen und dabei zu einem gemeinsamen Handeln zu gelangen, wozu es bestimmter Voraussetzungen bedarf.
    Link: http://www.cultureconcepts.de

    Die Leiterin des Fachbereichs Kunst und Kultur, Susanne Schweidler, schlug noch einmal den Bogen von der Kulturcharta 2020, die in den Jahren 2007/8 erarbeitet worden ist. Viele Aspekte der Charta wurden aufgegriffen und auch in den 2010er Jahren umgesetzt, andere sind überholt oder veraltet. Themen wie „Digitalisierung“ oder „Migration“ spielten noch keine Rolle und werden in der Fortschreibung, der Kulturstrategie 2030 wichtige Kapitel beinhalten.
    Axel Schneider ist vom Kulturbüro als freier Mitarbeiter beauftragt, den Kommunikationsprozess zur Kulturstrategie 2030 zu moderieren und zu steuern. Er erläutert die Vorgehensweise und fordert zur Mitwirkung und Diskussion auf.
    Bisherige Vorgehensweise
    • Interviews mit Akteuren (Einrichtungsleitung, freie Szene)
    • Sichtung von aktueller Literatur und Strategien
    • Erarbeitung Leitfaden / Gliederung
    • Auswertung kulturpolitischer und lokaler Materialien
    • Arbeitsgruppe „Freie Szene“
    • Interviews mit „Schlüsselpersonen“
    • Abstimmung mit Kulturhauptstadtbüro
    • Mini-Workshops „Integration“ und „Digitalisierung

    Geplant ist folgende grobe Gliederung:
    • Präambel / Grußwort
    • Kultur und Bildung als Querschnittsaufgabe
    • Ziele
    • Handlungsfelder / Gute Praxis
    • Möglichkeiten und Herausforderung
    • Handlungsempfehlungen

    Wichtige Inhalte, Ideen und Herausforderungen sind bisher:
    • Verstetigung von Partizipation und Beteiligung
    • (z. B. „Internetplattformen“ „Kulturbeirat“)
    • Verbesserung der Zusammenarbeit in den Ressorts der Verwaltung ( z. B. Ordnungsamt, Bauamt, Wirtschaft)
    • Beratungsstelle für Fördermittel
    • Innovative Förderinstrumenten
    • Kommunikationsstrategien
    • Abstimmung mit Tourismus und Kreativ- wirtschaft
    • Bessere Verknüpfung zu Hochschulen und anderen Institutionen
    • Systematische Pflege der Fördervereine und der Wirtschaft
    • Inklusion (einfache Sprache, Barrierefreiheit)
    • Internationales Publikum
    • Kulturstrategie 2030
    Weiterer Zeitplan
    • 4. Dezember 2019: Sammlung von Ideen und Anregungen – Aufforderung zum Einmischen
    • Dezember 2019: Zusammenfassung der Ergebnisse
    • Januar 2020:
    • Vorlage und Präsentation: Entwurf einer Endfassung
    • 1. Quartal 2020:
    • Einbringung Kulturausschuss und Stadtrat
    • Kulturstrategie 2030
    • Diskussionsplattform
    Zum Abschluss weist Schneider auf die Webseite http://www.kulturstrategie-md.de hin.

    Phase 2
    Workshop 1: Stärkung der Akteur*innen
    Leitung: Franziska Dusch, Dr. Cornelia Dümcke
    Folgende Thesen und Fragestellungen bildeten die Grundlage (Aushang) der jeweils 40minütigen Arbeitsgruppendiskussionen mit drei wechselnden Gruppen:
    Neue, verbindliche kulturpolitische Handlungsmuster und Begriffssetzungen:
    • Stärkung des Kulturbereichs als Akteur einer nachhaltigen Stadtentwicklung
    • Stärkung der Kulturstadt Magdeburg als Akteurin und Impulsgeberin auf internationaler Ebene
    • Stärkung der Kunst- und Kulturszene durch Möglichkeiten des Experimentierens
    • Stärkung der Stadtgesellschaft durch transkulturelle und zielgruppenorientierter Ansätze
    • Stärkung von Kunst und Kultur mittels zeitgemäßer Vermittlungsansätze
    • Stärkung der Stadtteile und Schaffung von Stadtteilorten
    • Stärkung und Systematisierung der Netzwerkbildung
    • Schaffung von Bildungslandschaften
    • Aktivierung von Mitarbeitenden / Akteurinnen und Akteuren aus unterschiedlichen Sparten, Ressorts und Stadtteilen durch Einbindung, Dialog und Wertschätzung
    • Design Thinking: Perspektivwechsel von der Innensicht zur komplexen, gemeinschaftlichen Aufgabe (für wen machen wir Kunst und Kultur? Was wollen wir erreichen?
    Handlungsempfehlungen: Stärkung der Akteure
    • Workshops, Beratung (a; i)
    • (Nicht-)Besucheruntersuchung, Evaluation (e)
    • Konferenzen: best practice (a)
    • Freiräume, bedarfsgerechte Orte, Kultur des Ermöglichens (c; f)
    • Entwicklung neuer und Stärkung bestehender Netzwerke (g)
    Rahmenbedingungen
    DAUERHAFT:
    • Stadt als Ermöglicherin: (c)
    • Zulassen von kult.-künstler. Experimenten
    • Unterstützung bei der Nutzung des öffentlichen Raumes
    • Aufbau eines stetigen kulturellen Austausches – Transparenz und Beteiligung der Akteure (i)
    Strukturen
    MITTELFRISTIG:
    • Anpassung der Strukturen der Kulturverwaltung an Entwicklungen und Bedürfnisse der Kulturlandschaft (a; b; i)
    • Schaffung einer Beratungs- und Koordinationsstelle für Akteure der freien Szene (i)
    • Kontaktstelle für kulturelle Bildung und multikulturelle Projektarbeit (g)
    Maßnahmen
    KURZFRISTIG:
    • Akademie für Darstellende Kunst und Musik als neuen Kultur- und Ausbildungsort entwickeln (a; b; c)
    • Finanzielle Unterstützung von innovativen Kulturprojekten (a; c; e)
    DAUERHAFT:
    1. Regelmäßige Selbstevaluation der Kultureinrichtungen – Unterstützung durch entsprechende Anreize (a)
    MITTELFRISTIG:
    Finanzen
    DAUERHAFT:
    • Koordinierung der Fördermittelanträge der städtischen Kulturinstitutionen an öffentliche Fördermittelgeber
    • Erschließen von Bundes- und EU-Fördermitteln
    • Erarbeitung von lang- bzw. mittelfristigen Konzepten zur Entwicklung der Kunst- und Kultureinrichtungen und –szene – Beschlussvorlagen

    Forderungen, Fragestellungen und Ideen aus den Diskussionsrunden:
    Kritischer Vorschlag für mehr Offenheit: „Keine Konferenzen von Insidern machen wie heute hier“.
    Was ist ein Akteur? Die Strategie sollte Akteure der Stadt sichtbar und abrufbar machen / visualisieren, z. B. durch Schaffung einer Datenbank, in der die Zivilgesellschaft, nichtkommerzieller Akteure, z.B. Vereine und Initiativen, dargestellt werden..
    These: Privatwirtschaftliche Akteure sind zwar kommerziell und trotzdem wichtig für die Stadt, z. B. Produzentengalerie.
    Kritisch wird angemerkt, dass die Vergaberichtlinien eine Katastrophe für Künstler und Vereine seinen, mehr Beratung sei unbedingt erforderlich
    Gefordert wird eine praktische Überarbeitung der Förderrichtlinien, die Kapazitäten bei Künstlern/Vereinen seien nicht vorhanden, um die komplizierten Zusammenhänge zu verstehen.
    Architekten sollte man in das Netzwerk der Akteure einbeziehen, sie schaffen die Freiräume in der Stadt: Wo können sich Menschen begegnen?
    Migrant*innen, sollten stärker einbezogen werden, z. B. die, die sich an der Elbe treffen. Hier bestehen Konflikte („Explosionsstoff“) mit der Nachbarschaft, dies seien Lebensrealitäten, denen man sich stellen muss.
    Interkultur/internationale Künstler (Kalligraphie, Musik, Literatur) bringen Neues in die Stadt und bieten große Chancen. Wie lässt sich die Membran zur traditionellen Kultur durchlässiger gestalten?
    Gelder gehen oft in Institutionen, die im 19. Jh. entstanden sind, hier sei eine Analyse notwendig. Die „kritische Masse“ ist in Magdeburg zu klein und findet kein Gehör. Es fehlen Strukturen, um das aufzunehmen.
    Gesellschaftlicher Konsens über Meinungen nicht mehr möglich, sollte von der Politik eingefordert werden. Rolle der Medien: ZDF-Sendungen finden quasi ohne Magdeburg statt.
    Es soll ein Internetportal der Akteure geben (Hinweis auf Problem des Datenschutzes), eine Vereinsdatenbank der Stadt reicht nicht aus, Künstler und Kreativwirtschaft finden sich da nicht wieder. Leider trägt sich fast niemand selbst ein, zur Zeit gibt es häufig unvollständige und veraltete Einträge. Eine aktuelle Datenpflege wird von der Stadt bzw. von ihren Beauftragten erwartet.
    Weitere Fragen und Anregungen für die Kulturstrategie:
    • Was wollen die Kinder und Jugendlichen?
    • Kultur breiter denken
    • Diverse Strategien zulassen
    • Schulsozialarbeit stärken
    • Stadt als Vorbild (Honorare, Ausschreibungen)

    Weitere Stichworte, die als Ideen und Forderungen auf Karten notiert wurden:
    Jährliche Konferenz der Kulturschaffenden, „Kultur“-Ausbildung, längerfristige Förderungen ermöglichen, Interkultur (Flüchtlinge als Bereicherung), Beratung der Verwaltung und durch die Verwaltung, Reform der Verwaltung (Entbürokratisierung, Vergaberecht), Freiräume erhalten, Bezug zur Lebensrealitäten, interkultureller Aspekt, Umgang mit Kultur und Kreativwirtschaft, Digitalisierungskonzept der Stadt, Feedback ernst nehmen, Förderrichtlinien gemeinsam mit Akteuren überarbeiten, prekäre Arbeitsbedingungen verbessern, bürokratiearme Mikroprojekte fördern, Raummieten städtischer Einrichtungen maßvoll gestalten (Johanniskirche, Gesellschaftshaus usw.), Anlaufstelle für Anfänger (Projektmanagement, Förderung, Netzwerke, Beratung), kulturelle Rechtsberatung, Veranstaltungskalender gemeinsam, Infos zu Netzwerken, Ansprechpartner für Akteure, kontroverse Themen aufgreifen, Akteure sichtbar machen, Optimierung der Ausschreibungskultur, Stadt als verbindlicher Auftraggeberin, kulturelle Bildung als gesamtstädtische Aufgabe, Entwicklung kooperativer Veranstaltungsformate, Verstetigung der Förderung auf drei Jahre, mehr künstlerische Ausbildungsstätten
    Akteure (wer ist das?): Netzwerke, Freie Szene, Kulturagent*innen, Ehrenamt (qualifizieren), Internetplattform der Akteure, jüngere Akteure hinzuziehen, Datenbank der Akteure
    Best practice: Datenbank zu Räumen, Veranstaltungen mit und für jung und alt(älter), Stadtnetz (Beispiel Barcelona), Leben im, am, mit dem Fluss stärker darstellen, Augenmerk auf Wiederentdeckung der Industriekultur und -geschichte, zusätzliche Ressourcen für Digitalisierung, Kulturverwaltung hilft bei Kulturgestaltung
    Frage: Wo sind die Freiräume?

    Workshop 2: Verbesserung der sozialen und kulturellen Teilhabe
    Leitung: Beate Kramer, Axel Schneider
    Folgende Thesen und Fragestellungen bildeten die Grundlage (Aushang) der jeweils 40minütigen Arbeitsgruppendiskussionen mit drei wechselnden Gruppen:
    Neue, verbindliche kulturpolitische Handlungsmuster und Begriffssetzungen:
    • Stärkung des Kulturbereichs als Akteur einer nachhaltigen Stadtentwicklung
    • Stärkung der Kulturstadt Magdeburg als Akteurin und Impulsgeberin auf internationaler Ebene
    • Stärkung der Kunst- und Kulturszene durch Möglichkeiten des Experimentierens
    • Stärkung der Stadtgesellschaft durch transkulturelle und zielgruppenorientierter Ansätze
    • Stärkung von Kunst und Kultur mittels zeitgemäßer Vermittlungsansätze
    • Stärkung der Stadtteile und Schaffung von Stadtteilorten
    • Stärkung und Systematisierung der Netzwerkbildung
    • Schaffung von Bildungslandschaften
    • Aktivierung von Mitarbeitenden / Akteurinnen und Akteuren aus unterschiedlichen Sparten, Ressorts und Stadtteilen durch Einbindung, Dialog und Wertschätzung
    • Design Thinking: Perspektivwechsel von der Innensicht zur komplexen, gemeinschaftlichen Aufgabe (für wen machen wir Kunst und Kultur? Was wollen wir erreichen?
    Handlungsempfehlungen Verbesserung der sozialen und kulturellen Teilhabe
    • Stärkung des Ehrenamtes (i)
    • Nachbarschaftsprojekte in den Stadtteilen (f)
    • Vereinfachung des Fördermittelmanagements (j)
    • Abbau von „Hemmschwellen“ (d; e)
    • Neue Kommunikationsstrategien (e; g; j)
    • Entwicklung zeitgemäßer Vermittlungsansätze €
    • Zusammenarbeit mit Schul- und Kita-Sozialarbeitern (e; g)
    • Kulturelle Bildung als Querschnittsaufgabe aller Kultureinrichtungen (e; j)

    Rahmenbedingungen, Strukturen, Maßnahmen zur Zielerreichung:
    Rahmenbedingungen
    DAUERHAFT:
    Strukturen
    MITTELFRISTIG:
    • Anpassung der Strukturen der Kulturverwaltung an Entwicklungen und Bedürfnisse der Kulturlandschaft (i)
    • Stärkung und Weiterentwicklung der Stadtteilkulturzentren (f)
    Maßnahmen
    KURZFRISTIG:
    • Akademie für Darstellende Kunst und Musik als neuen Kultur- und Ausbildungsort entwickeln (h)

    DAUERHAFT:
    2. Regelmäßige Selbstevaluation der Kultureinrichtungen – Unterstützung durch entsprechende Anreize

    MITTELFRISTIG:
    Finanzen
    DAUERHAFT:
    Forderungen, Fragestellungen und Ideen aus den Diskussionsrunden:
    Es wird festgestellt, dass Ausbildungsstätten für junge Kulturschaffende als Kristallisationspunkt für die Kultur in Magdeburg fehlen Mit dem demografischen Wandel wird sich das noch stärker negativ auswirken in der Zukunft, wenn das nicht gelingt.
    Die Freie Szene soll bzw. muss finanziell gestärkt werden (Ca. 200.000 EUR frei verfügbare Mittel im Jahr sind zu wenig).
    Für eine Verstetigung von Projekten ist bei großen Vorhaben die Förderung über drei Jahre notwendig.
    Netzwerke sollten angeregt, gefördert und modernisiert werden, um junge Leute zu erreichen.
    Gefordert wird in verschiedenen Diskussionen, Kulturfreiräume zu erhalten bzw. zu schaffen, weniger Bürokratie zu fordern und die Unterstützung der Ämter bei Genehmigungsverfahren.
    Konsens herrscht, dass Leerstände für kulturelle Zwischennutzungen bereitgestellt werden sollten.
    Synergieeffekte der städtischen Einrichtungen untereinander besser nutzen (Vergabeverfahren, Social Media, Partizipationen, Programmvorstellungen für Schulen)
    Kulturelle Bildung als gesamtstädtische Aufgabe spielt eine wichtige Rolle
    Die Landeshauptstadt Magdeburg sollte ein vorbildlicher Auftraggeber an Kulturschaffende sein. Zur Zeit sei die Ausschreibungskultur mangelhaft, bspw. bei der Kunst am Bau. Es sollte strenger beobachtet werden, dass Künstler und nicht Architekten beauftragt würden. Stadtschreiber und Artist in Residence sind gute Ansätzen, die ausgebaut werden sollten.
    Bürokratieabbau, Akteure sichtbarer machen, nicht zu sehr auf Erträge zielen, Experimentelles wagen, auch „schmutzige und kontroverse Themen“ anfassen.
    Eine Sprache, die die Menschen verstehen können und sie erreicht, verwenden.
    Direkte Ansprechpartner für die Akteure fehlen, Koordinierungsstelle für kulturell-künstlerische Projekte wäre anzustreben. Auskunft geben, welche Netzwerke/Projekte in der Stadt bereits bestehen, sich besser abstimmen.
    Der Vorschlag, einen digitalen Veranstaltungskalender einzurichten, wird von mehreren Diskutanten unterbreitet. Dazu der Hinweis, dass es den klassischen Veranstaltungskalender auf der Homepage der Stadt gibt (unter Kunst und Kultur). Jeder hat die Möglichkeit, seine Veranstaltungen selbst einzutragen. Die Daten werden über Nacht automatisch in den ticket39-Kalender der MMKT (unter Freizeit und Tourismus zu finden) eingespeist.
    In den Förderrichtlinien sollte enthalten sein, dass Träger von geförderten Veranstaltungen verpflichtet werden, diese in den klassischen Veranstaltungskalender einzutragen. Alle geförderten Veranstalter sollten sich selbst in die noch zu schaffende Datenbank der Akteure eintragen.
    Es wird auf die Problematik hingewiesen, dass die Daten von den Homepages der Akteure nicht automatisch in das System eingespeist werden können. (Anmerkung: Dem Gesellschaftshaus gelingt es über ihren CONTAO-Kalender). Die Kapazitäten bei den Akteuren sind oft begrenzt, hier sei eine Hilfestellung durch die Stadt notwendig.
    Die Homepage Stadt für Kultur sei insgesamt überarbeitungsbedürftig.
    Die MMKT wird ihrer Aufgabe nicht ausreichend gerecht. Konstruktionsproblem, dass wirtschaftliche Zahlen wie Übernachtungen im Vordergrund stehen.
    Es fehlt bei der Stadt ein Ansprechpartner für die kulturelle Rechtsberatung.
    Das Ehrenamt in der Stadt sollte durch die Landeshauptstadt umfassend unterstützt werden (Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Rechtsfragen etc).
    Eine Digitalisierungsstrategie, die auch die Kulturbereiche umfasst, wird eingefordert.
    Es gehe in den Medien nur noch darum, Produkte an den Mann zu bringen. Bspw. wird beklagt, dass die Volksstimme keinen Kulturredakteur mehr hat. Berichtet wird zwar über eine Premiere im Friedrichstadtpalast, doch nicht über Premieren aus Magdeburg. Die regionale Verankerung ist nicht ausreichend.
    Es wird angemerkt, dass die Medienschaffenden auch die Wertschätzung der Stadt und der Kulturszene benötigen. Die Kulturschaffenden erwarten schlicht die Berichterstattung durch die Journalisten.

    Workshop 3: Profilierung der Kulturlandschaft
    Leitung: Susanne Schweidler, Julia Figdor
    Folgende Thesen und Fragestellungen bildeten die Grundlage (Aushang) der jeweils 40minütigen Arbeitsgruppendiskussionen mit drei wechselnden Gruppen:
    Neue, verbindliche kulturpolitische Handlungsmuster und Begriffssetzungen:
    • Stärkung des Kulturbereichs als Akteur einer nachhaltigen Stadtentwicklung
    • Stärkung der Kulturstadt Magdeburg als Akteurin und Impulsgeberin auf internationaler Ebene
    • Stärkung der Kunst- und Kulturszene durch Möglichkeiten des Experimentierens
    • Stärkung der Stadtgesellschaft durch transkulturelle und zielgruppenorientierter Ansätze
    • Stärkung von Kunst und Kultur mittels zeitgemäßer Vermittlungsansätze
    • Stärkung der Stadtteile und Schaffung von Stadtteilorten
    • Stärkung und Systematisierung der Netzwerkbildung
    • Schaffung von Bildungslandschaften
    • Aktivierung von Mitarbeitenden / Akteurinnen und Akteuren aus unterschiedlichen Sparten, Ressorts und Stadtteilen durch Einbindung, Dialog und Wertschätzung
    • Design Thinking: Perspektivwechsel von der Innensicht zur komplexen, gemeinschaftlichen Aufgabe (für wen machen wir Kunst und Kultur? Was wollen wir erreichen?
    Handlungsempfehlungen Stärkung der Kulturlandschaft
    • Entwicklung von Kooperationen zwischen den Akteuren – Anreize schaffen (c; h)
    • Entwicklung eines gemeinsamen Kulturmarketings (g; i; j)
    • Zielvereinbarungen zwischen kommunal geförderten Institutionen und Stadtverwaltung (a; b)
    • Internationale Festivals und Projekte (Stadt der Modernde, Stadt des Magdeburger Rechts) (b)
    • Entwicklung von Kooperationen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur (a; b)
    • Profilierung der städtischen Kultureinrichtungen (a; b; e)
    Rahmenbedingungen, Strukturen und Maßnahmen (Instrumente und Methoden) zur Zielerreichung
    Rahmenbedingungen
    DAUERHAFT:
    • Stadt als Ermöglicherin: (c)
    • Zulassen von kult.-künstler. Experimenten
    • Unterstützung bei der Nutzung des öffentlichen Raumes
    • Aufbau eines stetigen kulturellen Austausches – Transparenz und Beteiligung der Akteure (i)
    Strukturen
    MITTELFRISTIG:
    • Anpassung der Strukturen der Kulturverwaltung an Entwicklungen und Bedürfnisse der Kulturlandschaft (b)
    • Kontaktstelle für kulturelle Bildung und multikulturelle Projektarbeit
    Maßnahmen
    KURZFRISTIG:
    • Artist-in-Residence-Programme mit überregionaler/ internationaler Strahlkraft entwickeln (b)
    • Akademie für Darstellende Kunst und Musik als neuen Kultur- und Ausbildungsort entwickeln (a; b; c; e; h)
    DAUERHAFT:
    3. Regelmäßige Selbstevaluation der Kultureinrichtungen – Unterstützung durch entsprechende Anreize (i; j)
    MITTELFRISTIG:
    4. Internationale Positionierung als Stadt der Musik (b)
    5. Internationale Positionierung als Stadt der europäischen Idee des Bürgertums („Magdeburger Recht“) (b)
    Finanzen
    DAUERHAFT:
    • Abstimmung und Priorisierung von Projekten im Rahmen der Haushaltsberatungen unter Fortschreibung der Budgets
    • Koordinierung der Fördermittelanträge der städtischen Kulturinstitutionen an öffentliche Fördermittelgeber
    • Erschließen von Bundes- und EU-Fördermitteln
    • Erarbeitung von lang- bzw. mittelfristigen Konzepten zur Entwicklung der Kunst- und Kultureinrichtungen und –szene – Beschlussvorlagen
    Forderungen und Ideen aus den Diskussionsrunden:
    Wesentliche Thesen:
    Profilierung kann entstehen durch
    • Entwickeln von „Leuchttürmen“, dafür ist die Unterstützung des Landes erforderlich („Kulturhauptstadtvertrag“), das bedeutet Differenzierung, Schwerpunktsetzung
    • Commitment, das bedeutet Verdichtung, Kleinteiligkeit, Vielgestaltigkeit, Netzwerke
    • Neue Wertediskussion (Stichwort Nachhaltigkeit)

    Es ist wichtig, beides zu tun: Herausragendes zu pflegen und Teilhabe zu stärken
    Es braucht:
    • Planungssicherheit
    • Stärkere Vernetzung
    • Flache Hierarchien in der Kulturarbeit (keine höhere Bewertung von z.B. Theater gegenüber Stadtteilkultur
    • Zeitgemäße (Vermittlungs-)Ansätze

    Identität der Stadt – Identifikation der BewohnerInnen mit der Stadt
    • Erzählen eines Narrativs, um Identifikation zu fördern
    Also: Profilierung ist kein „Entweder – Oder“, sondern ein „Sowohl – Als Auch“
    Vorschlag: Datenbank über Kulturmanager sollte von der Stadt initiiert werden.
    Immer wieder genannt wird der Bürokratieabbau für die kleinen Projekte sowie die Stärkung des Ehrenamtes.
    Auch die etablierten Einrichtungen sollten Zusatzleistungen bereitstehen für kulturelle Projekte der freien Szene. Raummieten der städtischen Einrichtungen für Vereine teilweise gleich hoch wie für die Wirtschaft. Eine Strukturierung bzw. variable Gestaltung der Mietkosten wäre sinnvoll.
    Profilierte Ansprechpartner für die freie Szene fehlen. Chorverband: Magdeburger Chorfest funktion durch positive Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro..
    Es wird viel von Zivilgesellschaft und Ehrenamt gesprochen, doch: Hauptamt stärkt Ehrenamt! Die Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Beschäftigten ist die Voraussetzung für gelungene ehrenamtliche Tätigkeit.
    Die Stadtverwaltung sollte auf Augenhöhe mit den Künstlern, der Kreativwirtschaft, der Zivilgesellschaft umgehen. Die Kreativwirtschaft wird vor allem durch öffentliche Aufträge unterstützt. Die Zivilgesellschaft braucht vor allem Beratung.
    Die Strategie soll anregen, Strukturen zu schaffen, die zur Partizipation (auch von jungen Menschen) befähigen.
    Zusätzliche personelle Ressourcen sollten berücksichtigt bzw. geschaffen werden, damit alle Akteure einschließlich der Stadtverwaltung dem „Digitalisierungsdruck“ standhalten können. Bisher müssen andere Aufgaben wegfallen, damit die zusätzlichen digitalen Aufgaben einigermaßen bewältigt werden können.
    Der Bedarf an kontinuierlicher Kommunikation der Akteure mit Unterstützung der Stadt wird eingefordert. Besuche im Büro oder bei Veranstaltungen durch Vertreter*innen der Stadt werden erwartet, Nachfragen der Stadt „von sich aus“.
    Statt Kulturverwaltung wird der Begriff Kulturgestaltung empfohlen, denn darum gehe es doch eigentlich.
    Wie können wir auch die jungen Leute und andere Zielgruppen, z. B. Frauen, erreichen?
    Die Strategie soll internationale Tendenzen der Kulturentwicklung aufzeigen.
    Prioritäten, die mehrfach genannt werden:
    • Stärkung des Kulturbereichs als Akteur einer nachhaltigen Stadtentwicklung
    • Stärkung und Systematisierung der Netzwerkbildung
    • Schaffung von Bildungslandschaften
    • Design Thinking: Perspektivwechsel von der Innensicht zur komplexen, gemeinschaftlichen Aufgabe (für wen machen wir Kunst und Kultur? Was wollen wir erreichen?
    • Stärkung der Kulturstadt Magdeburg als Akteurin und Impulsgeberin auf internationaler Ebene
    • Stärkung der Kunst- und Kulturszene durch Möglichkeiten des Experimentierens
    • Stärkung von Kunst und Kultur mittels zeitgemäßer Vermittlungsansätze
    • Stärkung der Stadtteile und Schaffung von Stadtteilorten
    • Aktivierung von Mitarbeitenden / Akteurinnen und Akteuren aus unterschiedlichen Sparten, Ressorts und Stadtteilen durch Einbindung, Dialog und Wertschätzung

    Als mögliche Maßnahmen werden folgende Stichworte genannt:
    • Prof. Puhle: „Ich möchte Ihnen Mut machen, mutiger zu sein, außergewöhnliche Projekte umzusetzen.“
    • „Symphonic Mob“ auch in Magdeburg, Musik und Mitsingen (siehe Internet)
    • Anleiten für Partizipation aus Community Organizing Unternehmenskommunikation, Diversity Management etc.
    • „Thematische Jahre“ länger als nur für ein Jahr konzipieren (das „Gröninger Bad“ wird z. B., die Magdeburger Moderne über 2019 hinaus veranstalten)
    • überregionale Kooperationen
    • Marketing nach Innen (Größere Bandbreite)
    • Internationaler Jugend- und Kulturaustausch
    • Internationale Positionierung als Stadt der Musik (b)
    • Magdeburg als Stadt der Orgelmusik national und international bekannt machen
    • Gründung einer städtischen Galerie (Vermittlung zeitgenössischer Kunst/local Artist)
    • Konzertsaal / Auditorium
    • Räumlichkeiten für Ausstellungen durch die Stadt zur Verfügung stellen (Aussteller müssen die Ausstellung selbst betreuen)
    • 2027 – 100 Jahre Theaterausstellung in Magdeburg
    • Von der Stadt des Mittelalters zur Stadt der Moderne
    • 2025: 500 Jahre Stadtbibliothek (neue Medien, Bibliotheksneubau)

    Phase 3
    Auswertung
    Kurze Präsentation der Diskussionen in den drei Workshop-Runden durch Franziska Dusch, Axel Schneider und Susanne Schweidler.

    Zum Abschluss bedankt sich Beate Kramer bei den Workshop-Leiterinnen sowie der Assistenz durch Dorothea Riep und Kathrin Heinl. Abschließend weist sie auf die Fortsetzung der Diskussion um die Kulturstrategie 2030 am 17. Januar 2020 hin, zu der der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, Dr. Tobias Knoblich, eingeladen worden ist.

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