Herbert Beesten: Anregungen und Anmerkungen

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  • Autor
    Beiträge
  • #193
    Axel Schneider
    Keymaster

    Anregungen/Anmerkungen zur Magdeburger KulturStrategie 2030, insbesondere aus der Perspektive der „Freien Kunst- und Kulturschaffenden“ im Nachgang zu der Veranstaltung am 17.1.2020.
    (Wenn im folgenden Text von „Freie Szene“ gesprochen wird, so sind die „Freien Kunst- und Kulturschaffenden“ von Magdeburg gemeint. Siehe auch Definition Freie Kulturszene: vgl. u.a. „Kultur in Deutschland. Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages 2007“, S. 340 ff. https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/070/1607000.pdf in der Anlage)

    • Mein Wunsch: Mehr „Investitionen“ für Künstlerhonorare und „kulturellen Content“ anstatt in Stahl und Beton /Immobilien. Neue (Kultur)Gebäude bedingen nicht automatisch neuen oder kulturellen innovativen Input. So vermute ich, dass z.B. in der neuen Stadthalle im Prinzip das gleiche Kulturprogramm weiterläuft wie bisher, auch wenn hier ca. 50 Mio. € + X investiert werden. Die Verlockung für die Stadtverwaltung/-politik mit einer externen großen Co-Förderung in Immobilien zu investieren ist groß, bietet es doch auch die Möglichkeit, sich oder der Stadt ein dauerhaftes Denkmal zu setzen. Aber außer „Baukultur“ ist dann noch nichts geschaffen, kein einziges Lied, kein Bild, weder Tanz noch ein Roman, kein Theaterstück, keine Performance …

    • Brauchen wir noch mehr Räumlichkeiten? Kultur-Räumlichkeiten gibt es schon viele, vielleicht auch schon genug, außer vielleicht sehr spezielle Bevölkerungsgruppen z.B. wie für „Die neuen Alten“, „Künstler mit Handicap“, …
    Wie in einem Gesprächskreis am 4. Dezember 2019 von einigen Teilnehmern (auch von mir) geäußert, ist die gegenseitige Nutzung von Räumlichkeiten eine gute Möglichkeit, günstig andere / neue Zielgruppen zu erreichen und zugleich Raumfragen zu klären wie z.B. Lesung des Fördervereins der Schriftsteller im Steinzeitdorf Perchau, Vortrag des „Steinzeitdorfvereins“ im Forum Gestaltung, eine Freie Theatergruppe des Forums macht etwas im Kunstkollektiv, das Impro-Theater vom Kunstkollektiv improvisiert mit einem Chor in einer Kirche, der Chor tritt im Campus-Theater Projekt 7 auf, Projekt 7 veranstaltet im Literaturhaus ein Comedy-Abend, … etc … usw.

    • Raumkosten: Bei Auftritten in Soziokulturellen Zentren steht meist auch die „Raumkostenfrage im Raum“, weil auch diese Zentren gewisse Einnahmen erzielen müssen. Für freie Kunst- und Kulturschaffende ist das Risiko der Übernahme von fixen Raum- und Nebenkosten (Technik, Einlass, …) zu groß, so das öffentliche Veranstaltungen gescheut werden. Da wäre eine generelle Regelung sinnvoll, so dass es z.B. eine 30/70 Regelung (30% für den Raum und Nebenkosten/70% für die Künstler) gilt, die auch publik wird.

    • Kulturlotse: Es war die Rede von einem „Kulturlotsen“. Im Prinzip könnte das helfen. Dabei steht für mich nicht die Förderberatung im Vordergrund. Zumindest in Stadt und Land sind die zur Verfügung stehenden Budgets deutlich überzeichnet (es bleibt also kein Geld liegen und sich inhaltlich mit Förderanträgen auseinanderzusetzen gehört nun mal auch zu unserer Kultur), sondern ich sehe den Kulturlotsen z.B. Auftrittsorte zu vermitteln und für Kunst- und Kulturprojekte die vorhandenen aber richtigen PR-Kanäle (Print- und onlinepresse, diverse Veranstaltungskalender, Social-Media, öffentliche Plakate, Homepage der Stadt, etc, etc, ) je nach Zielgruppe „zu füttern“.

    • Differenzierung: Eine Differenzierung der städtischen Kunst- und Kulturszene z.B. in

    ◦ Städtische Kultureinrichtungen wie Theater/Oper, Konservatorium G. P. Telemann, Bibliothek, …
    ◦ Von der Stadt geförderten Soziokulturellen Einrichtungen/Zentren
    ◦ Kultur- und Kreativwirtschaft entsprechend der Nomenklatur
    ◦ Freie Kunst- und Kulturschaffende entsprechend der Definition im „Aufruf der freien Szene der Kulturhauptstadtbewerberstädten – siehe Anlage)

    macht für mich Sinn, weil dann die unterschiedlichen Aspekte, Aufgaben und Interessen transparenter und besser bedient werden können, als auch deren unterschiedliche finanzielle Förderungen. So sollten Anteile insbesondere für die Freie Kultur- und Kunstschaffende definiert werden (was nicht so einfach ist, wegen den Abgrenzungen und unterschiedlichen Förderbereichen, aber ich habe mit Frau Schweidler so etwas schon mal gemacht).

    • Freie Szene Aufruf: Ich möchte die Anforderungen des „Aufrufes der Freien Kulturszenen aus deutschen Bewerber Städten zur Kulturhauptstadt Europas 2025“ vom September 2018 auch an dieser Stelle – nicht nur im Kontext mit der Kulturhauptstadtbewerbung – Geltung verschaffen (Siehe Anlage). Zu den Magdeburger Erstunterzeichnern zählten damals:
    ◦ Lars Johansen, ARTist e.V.
    ◦ Wulf Mohrmann, freier Künstler
    ◦ Oliver Scharfbier, Bildender Künstler
    ◦ Herbert Beesten, Literatur und Performance
    ◦ Karsten Steinmetz, Kulturanker e.V.
    Ebenso unterzeichneten weitere 40 Teilnehmer des Treffens der „Freien Magdeburger Szene am 6.12.2018 zum Thema Kulturhauptstadt 2025“ diesen Aufruf. Dem Rat der Stadt Magdeburg wurde damals der Aufruf zugeleitet.

    • Selbstkritik Freie Szene: Auch nach dem o.g. Treffen am 6.12.2018 musste ich feststellen, dass es in den Reihen der Freien Magdeburger Szene in Teilen eine gewisse „passive Erwartungshaltung“ gibt. Wenn auch die Szene stark differenziert ist und naturgemäß ein Eldorado für Individualisten ist, hier und da Animositäten und (Fördermittel)-Wettbewerbssituationen bestehen – wie sicherlich auch in anderen Städten – so wünsche ich mir mehr aktive gemeinsame Impulse aus der Szene heraus. Hier wieder nach einer koordinierenden stattlichen Stelle seitens der Stadt zurufen, ist für mich ein Widerspruch. Aber vielleicht könnte so etwas wie ein kleines (dreiköpfiges?) freies Gremium aus der freien Szene mit Nähe zur Stadt helfen, ausgestattet mit einem Budget und mit einer gewissen demokratischen Legitimation (z.B. durch eine Versammlung der freien Szene), das eine Koordination und bessere Positionierung der freien Szene im kulturellen Leben Landeshauptstadt Magdeburg ermöglicht.
    Die freie Szene darf kein kulturelles Feigenblatt für die Stadt sein, aber eben auch keine losgelöste bedingungslose „Alimentierung“ der Freien Szene. Diese Gradwanderung sollte gewagt werden.

    MD, 18.1.2020
    Herbert Beesten

    #196
    Axel Schneider
    Keymaster

    Aufruf
    der Freien Kulturszenen aus deutschen Bewerberstädten zur
    Kulturhauptstadt Europas 2025

    Wir, die freien Kulturschaffenden* der Bewerberstädte sind ein Grundpfeiler kultureller Identität und leisten wichtige Beiträge auf allen künstlerischen Gebieten. Als Initiatoren aktueller künstlerischer Entwicklungen sind wir Gestalter von kulturellen Bildungs- und Vermittlungsformaten.

    Die Freie Kultur macht unsere Städte interessant, bunt und lebenswert. Wir engagieren uns in Theater-, Film-, Literatur-, Kunst-, Musik- und Clubprojekten. Wir nutzen europäische Kontakte und Netzwerke. Unsere Projekte sind ein fester Bestandteil der Stadtgesellschaft. Wir arbeiten frei und unter hohem persönlichem Einsatz. Wir unterstützen weiter die Bewerbungen unserer Städte.

    Wir tragen Verantwortung und fordern Beteiligung.

    Wir fordern ein substantielles Mitspracherecht. Wir sind bereit, uns an größeren Projekten zu beteiligen oder diese eigenverantwortlich durchzuführen. Die bisherige Zusammenarbeit mit den in den Städten verantwortlichen Institutionen für die Bewerbung soll im weiteren Bewerbungsprozess ausgebaut werden.
    Unserer Meinung nach kann eine Stadt nur Kulturhauptstadt werden, wenn auch die Freie Kulturszene beteiligt und finanziell angemessen ausgestattet ist. Wir erwarten bezüglich der Förderung einen gleichberechtigten Status gegenüber öffentlichen Einrichtungen.

    Wir fordern, dass der finanzielle Anteil am Kulturhaushalt für die Freie Kultur als prozentualer Anteil in jeder Stadt mit Vertretern der freien Kultur verhandelt und als dynamisierter Aufwuchs in Abhängigkeit der Kulturentwicklung in der Stadt festgeschrieben wird.
    Als Beispiel soll hier die Chemnitzer Herangehensweise der erfolgreichen Aktion „Wir sind Freie Kultur – Wir fordern mindestens 5 Prozent!“ ** dienen.

    Wir rufen die politischen Mandatsträger (Stadtrat, Verordnetenversammlung, Kreistag, o.ä.) in den Bewerberstädten auf, sich dafür einzusetzen, als Basis für die notwendigen Vereinbarungen zwischen den örtlichen Freien Kulturschaffenden und der lokalen Verwaltung/kommunalen Politik die hier formulierten Forderungen zu berücksichtigen.

    im September 2018
    Mitglieder der Freien Szenen aus den Bewerberstädten als Erstunterzeichner*innen:
    Tobias Möller und Marcus Heinke, Netzwerk für Kultur und Jugendarbeit e.V., Chemnitz
    Frank Eckard, Netzwerk Kultur Dresden, riesa efau Kultur Forum Dresden e.V., Dresden
    Ekki Kähne, Medienhaus Hannover e.V., Hannover – Harro Schmidt, KV Kunsthalle Hannover e.V.
    Gerd Günter, IQ Interessengemeinschaft Kultur e.V. Hildesheim
    Sabine Zimmermann, Netzwerk Kultur & Heimat Hildesheimer Land e.V., Hildesheim
    Henning Reichrath, freier Autor und Künstler, Hildesheim – Kurt Weidt, StadtLABOR Hildesheim e.V, Hildesheim
    Lars Johansen, ARTist e.V., Magdeburg – Wulf Mohrmann, freier Künstler, Magdeburg
    Oliver Scharfbier, Bildender Künstler, Magdeburg – Herbert Beesten, Literatur und Performance, Magdeburg
    Karsten Steinmetz, Kulturanker e.V. Magdeburg
    Martin Fürbringer, Kunst- und Kurhaus Katana e.V., Nürnberg –
    Claudia Schulz, FAFT e.V. Fränkische Assoziation freier Theater e.V., Nürnberg
    Anders Möhl, Verein zur Förderung der schönen Künste e.V., Nürnberg

    Ansprechpartner zur Koordination dieses Aufrufes:
    Herbert Beesten, Magdeburg, Herb@HerbertBeesten.de 0175 577 36 74
    Sabine Zimmermann – Netzwerk Kultur & Heimat Hildesheimer Land e.V. info@netzwerk-kultur-heimat.de 05121 3096014

    *) Freie Kultur: Einzelpersonen, natürliche- und juristische Personen und Gruppen, Vereine und kulturelle Einrichtungen, die nicht oder nicht zum Teil von öffentlichen staatlichen Einrichtungen betrieben werden bzw. ohne deren Einfluss sind.Siehe auch Definition Freie Kulturszene: vgl. u.a. „Kultur in Deutschland. Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages 2007“, S. 340 ff. https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/070/1607000.pdf

    **) https://youtu.be/nX8q1cYWwoU

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